Urlaub

Die 5 Tage in Gambia wollten wir neben der Information über die Hilfsprojekte (siehe vorheriger Eintrag) und der Versteigerung unserer Fahrzeuge auch zur Erholung nutzen – wir hatten ja nun einige Tage damit verbracht, etliche Kilometer im Auto über staubige Pisten und marode Straßen zu poltern. Zwischendurch waren immer mal wieder Reparatureinsätze nötig oder andere Fahrzeuge aus dem Sand zu ziehen oder zu schieben. Einige Nächte verbrachten wir unter widrigen Umständen im Zelt, viele waren sowieso viel zu kurz.
Daher gönnten wir uns nun 7 schöne Hotelzimmer direkt am Strand und genossen den Komfort eines Bettes sowie sauberer, funktionierender Sanitäreinrichtungen. Neben einigen Pflichtveranstaltungen der DBO erkundeten wir die Gegend und lernten Land und vor allem Leute kennen. Hier ein kurzer Abriss unseres Gambia-Aufenthaltes:

Am Freitag gab es auf dem Gelände der DBO ein Briefing zum Ablauf der nächsten Tage. Außerdem hatten wir die Möglichkeit, unsere Autos auszuräumen. So deponierten wir einige Spenden, die wir später selbst verteilen wollten, im Zwischenlager – einem alten Linienbus. Andere Utensilien, wie z. B. das Werkzeug und übrig gebliebenes Essen, gaben wir direkt bei der DBO ab, die es dann an die entsprechenden Stellen (Armenküche, Werkstatt, …) weitergeben werden. Für unsere somit leeren Adler vereinbarten wir für den Nachmittag jeweils eine Außen- und Innenreinigung auf unserem Hotelgelände. Die einheimischen Autopfleger machten ihre Arbeit gut und wurden von uns mit allerlei Tauschgegenständen bezahlt. So wechselten Schlafsäcke, Campingkocher und diverse andere Ausrüstungsgegenstände den Besitzer und die 3 Explorer waren wieder ansehnlich und bereit für die Versteigerung am Sonntag. Wir selbst machten einen kurzen Abstecher in den Monkey Park, suchten und fanden Geocaches, schwammen im Atlantik und ruhten uns aus. Am Abend gab es ein Buffet im Blue Kitchen, an welchem wir uns satt essen konnten. Hier begann auch das gemütliche Beisammensein, welches zu späterer Stunde etwas aktiver in einem von den Orgs empfohlenem Club fortgesetzt wurde. Hier konnten wir den Tanzstil der Gambianer kennenlernen und teilweise auch nachahmen…

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Den größten Teil des Samstages verbrachten wir mit der Besichtigung einiger Hilfsprojekte der DBO, darüber berichteten wir bereits. Nach einem nachmittäglichen Essen am Strand – die Fischplatte war nicht annähernd so gut wie die in Dakhla – fuhren wir zum obligatorischen Fußballspiel zwischen einer Auswahl der Rallyeteilnehmer und den ansässigen Spielern. Aus unserem Team war niemand auf dem Platz, Mario war aber als Ersatzspieler gemeldet. Wegen des fairen Spiels, welches keine Verletzungen hervorbrachte, blieb er aber ohne Einsatz. So verfolgten wir die zweimal 30 Minuten vom Spielfeldrand. Obwohl die meisten von uns keine Ahnung von diesem Spiel haben, kam es uns doch so vor, als ob die einheimische Mannschaft einen oder zwei Gänge zurückgeschaltet hatte, um gleichwertige Gegner zu sein. So kam es zum Unentschieden, welches sich im Elfmeterschießen zu einem Sieg der Gastgeber änderte. Das komplette Match über spielte übrigens eine Band auf ihren Trommeln und die anwesenden Gäste tanzten ausgelassen dazu. Die anschließende Verteilung mitgebrachter Fußbälle durch Schießen auf den Platz endete in einem kleineren Tumult, da die Bälle natürlich nicht für alle ausreichten. Vielleicht hätten wir lieber darauf verzichtet und die Bälle dem Trainer zur Verteilung gegeben… Aber es ging ja alles gut. Später trafen wir uns noch mit den Orgs zu einem gemütlichen Abend bei Lagerfeuer und Bier. Hier wurde auch die Einsandeliste versteigert, von deren Erlös – 240 Euro des schweizer Teams – einigen Mädchen das Schulgeld für das nächste Jahr bezahlt werden kann und wird. Zurück im Hotel trafen wir uns wieder mit ein paar Leuten anderer Teams zum quatschen und wurden wieder von unserem Getränkewart mit allerlei Köstlichkeiten versorgt. Am Freitagnachmittag hatten wir ja Gelegenheit, in den heimischen Supermärkten die – noch nicht erschöpften!!! – Vorräte etwas aufzufüllen.

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Am Sonntag war die Fahrzeugversteigerung das Highlight! Am Morgen trafen wir uns noch einmal bei der DBO, um die vorübergehend eingelagerten Ersatzteile, -räder und Betriebsflüssigkeiten wieder in die Autos zu laden. Mit diesen wollten wir später mit den Käufern der Adler noch ein Geschäft machen. Dann ging es im Konvoi zum Stadion, in welchem zu gleicher Zeit auch noch eine Messe afrikanischer Naturprodukte stattfand. Die potentiellen Käufer hatten nun ausreichend Zeit, sich alle Autos anzuschauen und sich von den Alt-Besitzern mit allen nötigen Informationen versorgen zu lassen. Dann ging es los, den Anfang machte das Bobbycar im Trabantdesign, welches ca. 15€ einbrachte. Dann kamen die richtigen Rallyefahrzeuge unter den Hammer. Das Bieten ging ziemlich träge aber dennoch teils sehr lautstark, manchmal sogar tumultartig zu. Besonders beim Verkauf der Mercedes-Transporter konnten viele nicht mehr an sich halten, stellen diese hier wegen ihrer vielseitigen Nutzbarkeit und unendlichen Haltbarkeit doch die beliebtesten Fahrzeuge dar. Aber im Endeffekt konnten alle Autos ohne Verletzte an den Mann oder die Frau gebracht werden. Unsere Adler brachten in Summe 312.000 Dalasi ein, was ziemlich genau 6.000 Euro entspricht. Damit sind wir zufrieden. Mit zwei der drei Käufer konnte vereinbart werden, dass die Fahrzeuge noch bis Dienstag Abend von uns genutzt werden können, der dritte wollte Adler 1 bereits am Montag abholen. Die übrig gebliebenen Ersatzteile und Betriebsstoffe wurden einem der Autokäufer zum Kauf angeboten, was dieser sehr gern annahm, besonders Automatiköl ist in Gambia sehr teuer.
Am Abend gab es in unserem Hotel einen Kulturabend mit einheimischem Essen vom Grill und einer Trommel- und Tanzgruppe. Hier wurden einige Teammitglieder zum Mittanzen und Mittrommeln animiert und hatten sichtlich Spaß dabei. Der Abend endete dann für einen Teil von uns wieder beim Getränkewart, der mit seinen selbst gepflückten und selbst eingelegten Himbeeren die Magenprobleme von Annemarie aus „Adler 4″ heilen konnte. Andere besuchten noch einen Reggaeclub um dann bei der Rücktour von einem Polizisten abgehockt zu werden. Dieser nahm den nicht mitgeführten Führerschein als Anlass, eine hohe Geldstrafe einzufordern. Naja, es war ja eine nur eine Frage der Zeit, bis so etwas passiert. Bisher war ja immer alles gut gegangen. Aber so tragisch war es dann auch nicht, jedenfalls gibt es wieder eine neue interessante Story zu erzählen.

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Der Montag war wieder von den Besichtigungen einiger Hilfsprojekte geprägt. Danach fuhren André, Steffen und Mario mit Käpt’n Kuru zum Fischen hinaus und kamen mit reicher Beute zurück. Ein Teil des Fangs, 3 Butterfische, wurden im Blue Kitchen abgegeben, damit diese bei der abendlichen Abschlussfeier das Buffet bereichern konnten. So kam es dann auch. Der frittierte Fisch war ein Highlight des Abendessens, das aber auch ansonsten sehr lecker war. Bevor eine kleine Band mit Reggaerhythmen fast alle Anwesenden auf die Tanzfläche zog, war noch Zeit, ein paar der letzten Dalasi in Mitbringsel zu investieren, welche im Garten des Lokals angeboten wurden. Viele der Holzarbeiten wurden von Amadou angefertigt, dem einheimischen Künstler, der auch die Plaketten herstellte, welche als Preise an einige Teams verteilt wurden. Das Red Eagle Team konnte zwar nicht den Geocache-Preis ergattern – hier glänzte das Sachsenring-Team – aber der Spaßpreis ging an uns. Hier kamen uns neben dem Humor des ganzen Teams und der ständigen guten Stimmung auch die allgegenwärtige Versorgung mit Getränken und Häppchen durch unseren Steffen zugute. Nach Ende der Feier ging es natürlich im Hotel weiter, dieses Mal kamen die Orgs auf einen Schlummertrunk zu uns und die letzte Flasche Rum wurde geleert.

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Am Dienstag schliefen wir alle etwas länger, zum Einen, weil es gestern Abend doch etwas länger ging, zum Anderen, weil es ein langer Tag werden sollte. Nach dem Frühstück versuchten alle, ihre Taschen zu packen und dabei das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Obwohl es so geplant war, fiel es den meisten doch schwer, alte, aber geliebte Sachen zurück zu lassen. Letztendlich gingen alle Koffer zu und der Test am Arm bescheinigte allen, die 23kg-Grenze nicht zu überschreiten. (Die Flughafenwaage zeigte später 22,9kg als Maximum) Nach einem letzten Bad im Atlantik und einiger Anrufe und Nachrichten, dass wir nicht in der abgestürzten Maschine saßen, fuhren wir nochmal zu den Orgs nach Sangjang, um unsere bestellten Armbänder abzuholen. Diese hatte der ansässige Medizinmann für uns hergestellt, damit sie uns Glück und Gesundheit bringen bzw. erhalten. Was er außer einem kleinen Zettelchen mit den entsprechenden Formeln noch so alles in die ledernen Bänder eingenäht hat, bleibt aber sein Geheimnis… Wir tauschten dann noch ein paar Red Eagle T-Shirts mit denen der Orgs. Im Anschluss besuchten wir noch den Holzmarkt im Nachbardorf. um wirklich das letzte Geld und sprichwörtlich auch das letzte Hemd abzugeben. Die Händler nahmen im Tausch gegen ihre Schnitzereien auch Schuhe, Schürzen, Schlafsäcke und sogar T-Shirts, welche vom Käufer noch getragen wurden, entgegen. Der Weg zum Markt wurde noch durch einen leeren Tank bei Adler 3 unterbrochen, dank der mitgeführten Kanister konnte dieses Problem jedoch zügig gelöst werden.
Am frühen Abend zwängten wir uns dann zusammen mit den meisten anderen Teams in ein Buschtaxi, welches uns zum Flughafen brachte. Hier handelt es sich um einen alten Mercedes-Transporter, der nun ungefähr 40 Passagieren Sitzplätze und unzähligen weiteren Stehplätze bietet, währen das Gepäck und eventuelle weitere Fahrgäste auf dem Dach Platz finden. Der Flughafen ist nicht sonderlich groß, was aber bei einer Frequenz von 3 Starts und Landungen am Tag nicht sonderlich verwundert. Nur die Anzahl der Angestellten ist seltsam hoch, allein 7 Mann kümmern sich darum, dass die Warteschlange nur etwa 70cm breit ist und schieben die Wartenden in die entsprechenden Positionen. Und dass, obwohl hier nun wirklich Platz genug ist – es wurde ja nur ein Flug abgefertigt…

Und damit endete die erste Rallye der sieben Brandenburger.

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